Ein österreichischer Skandal-Arzt sitzt in Zürich in Untersuchungshaft. Trotz Berufsverbot in Österreich und der Schweiz soll der Internist in seiner Zürcher Zweitpraxis weiter praktiziert und Patientinnen missbraucht haben.

Ein Facharzt für Innere Medizin aus Graz wurde Anfang Juli in seiner Zürcher Zweitpraxis festgenommen. Seither sitzt der Mann in seinen 60ern in Untersuchungshaft. Das bestätigte die zuständige Oberstaatsanwaltschaft gegenüber der österreichischen Zeitung «Krone». Zur Festnahme führte laut dem Bericht ein verdeckter Einsatz. Dabei gab sich eine Ermittlerin als Patientin aus und nahm den Arzt anschliessend fest.
Besonders brisant ist ein Detail: Der Mediziner hatte sowohl in Österreich als auch in der Schweiz ein Berufsverbot. Trotzdem soll er in Zürich weiter praktiziert haben. Die Ermittlungen der Schweizer Behörden laufen seit Herbst 2025. Zuvor war ein Rechtshilfeersuchen der Justiz in Graz eingegangen.
Skandal-Arzt in Zürich filmte Patientinnen heimlich
Dem Grazer Internisten wird vorgeworfen, über Jahre Patientinnen heimlich gefilmt, teilweise sediert und missbraucht zu haben. Ins Rollen brachte den Fall eine Frau, der bei einem Termin ein verstecktes Gerät auffiel. In einer Nastüechli-Box entdeckte sie eine Kamera. Daraufhin erstattete sie Anzeige.
Laut den Berichten führte der Arzt Handlungen im Intimbereich durch, die nicht den geschilderten Beschwerden entsprachen. Zudem soll er Untersuchungen von der üblichen Liege auf einen gynäkologischen Stuhl verlegt haben. Teilweise trug er dabei keine Handschuhe. Die mutmasslichen Taten fanden in den Abendstunden statt. Denn dann war der Arzt alleine in der Praxis.
Ermittler stellten Datenträger des Mannes sicher. Darauf fanden sie zahlreiche Fotos und Videos nackter Frauen. Der Zoom war überwiegend auf den Intimbereich gerichtet. Die Aufnahmen reichen bis ins Jahr 2012 zurück. Viele davon konnten bisher keiner konkreten Person zugeordnet werden.
Mindestens ein Opfer minderjährig
Bislang sind acht Betroffene bekannt. Dennoch geht die Polizei von weiteren Opfern aus. Die Staatsanwaltschaft Graz teilte zudem mit, dass mindestens ein Opfer minderjährig war. Beim Verdächtigen bestehe Fluchtgefahr. Gegenüber Bekannten soll er erklärt haben, für seine Pensionierung nach Südafrika auswandern zu wollen.
Eine der ersten Patientinnen machte den Fall publik. Ihre Beweggründe schilderte sie deutlich: «Ich war eingeschüchtert, habe mich geschämt.» Wegen der positiven Online-Bewertungen habe sie an die Öffentlichkeit gehen müssen. Denn sie wollte andere Frauen warnen.
Der Mediziner weist die Vorwürfe zurück. Sämtliche Untersuchungen seien medizinisch begründet gewesen, behauptet er. Die Videoaufnahmen seien zudem mit dem mündlichen Einverständnis der Patientinnen entstanden. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen des Landeskriminalamts gegen den Skandal-Arzt in Zürich dauern derweil an.








